Geschichte der Süddeutsch-Österreichischen Provinz

Die Entstehung der Süddeutsch-Österreichischen Provinz vom Hl. Albert skizziert ein Rückblick von P. Dr. Wolfram Hoyer OP (†):

Bedingt durch das Auseinanderbrechen der österreichisch-ungarischen Provinz und die Verselbständigung ihres ungarischen Provinzteils am 8. Mai 1938 waren die Brüder in Österreich alleine nicht mehr in der Lage, eine eigenständige Entität im Dominikanerorden zu bilden.
Anstatt den sich aus politischen Gründen nahelegenden Schritt wählen und die österreichischen Klöster an die deutsche Provinz Teutonia anzuschließen – wie ja die Republik Österreich inzwischen an das Deutsche Reich `angeschlossen´ worden war – entschied Ordensmeister Martin Stanislaus Gillet sich dazu, mit Dekret vom 19. Dezember 1938 die Klöster und Brüder in Süddeutschland aus der Teutonia herauszunehmen und mit den österreichischen in einer neuen Provinz unter dem Namen Provincia Germaniæ superioris (süd- oder oberdeutsche Provinz) und unter dem Patronat des hl. Alberts des Großen zu vereinen.
1962 wurde der Provinzname auf Provincia Germaniæ superioris et Austriæ (süddeutsch-österreichische Provinz) erweitert.
Zum von Gillet bestimmten Errichtungsdatum, dem 2. Februar 1939, bestand die Provinz aus 143 Brüdern und den Niederlassungen in Freiburg im Breisgau, Augsburg, München, Graz, Friesach, Wien und Retz. Erster Provinzial wurde P. Marianus Vetter.“

Aus: „75 Jahre Dominikanerordensprovinz vom hl. Albert in Süddeutschland und Österreich 1939-2014″; März 2015). Wer mehr über die weitere Entwicklung der Provinz erfahren möchte, kann hier (PDF) weiterlesen.

Neun Provinziale seit Provinzbeginn

Im Laufe der Zeit  seit dem 2. Februar 1939 bis heute  leiteten neun Provinziale die Provinz vom hl. Albert:

1939 – 1958       P. Marianus Vetter
1958 – 1966       P. Augustinus Gierlich
1966 – 1982       P. Innozenz Varga
1982 – 1986       P. Dominikus Kirchmaier
1986 – 1990 II   P. Innozenz Varga
1990 – 1998       P. Gregor Ruf
1998 – 2002      P. Hans Ulrich Steymans
2002 – 2011      P. Dietmar Thomas Schon
2011 – 2015       P. Christophe Holzer
2015 – heute     P. Thomas Gabriel Brogl

Einer von ihnen war P. Innozenz Varga (01.07.1913 – 08.09.2013). Nach der Matura am Akademischen Gymnasium in Graz 1935 war er in den Dominikanerorden eingetreten und erlebte die Gründung der süddeutsch-österreichischen Provinz als 26-jähriger selbst mit. Später leitete er insgesamt 20 Jahre lang die Provinz als Ansprechpartner in allen Ordensbelangen. In einem Interview im Juli 2005 wurde (der damals 92-jährige) P. Innozenz von P. Robert Mehlhart OP u.a. auch danach gefragt:

P. Robert: „Hast du unsere Provinzgründung noch erlebt?“
P. Innozenz: „Ja, ich habe die Provinzgründung erlebt.“
P. Robert: 
„Wie war das?“
P. Innozenz: „Naja, es hat natürlich in der Provinz ziemliche Opposition gegeben gegen diese Gründung von Seiten der älteren Mitbrüder, die ja mehr verwachsen waren mit der ungarischen Provinz zusammen. Aber sie haben sich dann eingefunden und Pater Marianus Vetter, der erste Provinzial, hat die Sache gut gemacht. Hat mit jedem Einzelnen gesprochen. Er hat Gespräche geführt mit jedem Einzelnen. Das ist sehr wichtig für einen Provinzial, dass er mit jedem Mitbruder Kontakte pflegt, genauso der Prior.“

Das Interview (14:00 min.) ist auf Youtube unter https://www.youtube.com/@Dominikanerbrueder/videos abrufbar.

März 2011: P. Christoph Kardinal Schönborn OP mit P. Innozenz M. Varga OP, welcher den heutigen Kardinal in den ersten Ordensjahren als Provinzial begleitete.

Anlässlich des Goldenen Priesterjubiläums von P. Innozenz Varga stellte P. Max Svoboda OP 10 Fragen an den Jubilar:

P. Max: „Worin hat sich der Orden in den 50 Jahren am stärksten verändert?“
P. Innozenz: „Das monastische Leben hat sich – aufgrund der Notwendigkeit – zu Gunsten des apostolischen Lebens stark verändert: Die Tagesordnung mußte angepaßt werden an die apostolischen Aufgaben; das Chorgebet so angesetzt werden, daß die meisten Mitbrüder daran teilnehmen konnten (können), die Abendmessen wurden eingeführt, die Liturgie geändert und in der Muttersprache gefeiert; die Teilnahme der Gläubigen am Chorgebet ermöglicht; der dominikanische Eigenritus wurde aufgegeben, Ordensprivilegien abgeschafft, die Laienbrüder bekamen dasselbe Wahlrecht wie die Kleriker, alle Mitbrüder wurden in die Mitarbeit und Mitverantwortung an die Leitung der Gemeinschaft einbezogen.“