Katholikentag in Stuttgart – wie geht „leben teilen“ auf dominikanisch?

Wir Dominikaner und Dominikanerinnen waren auf dem 102. Katholikentag aktiv: Brüder, Schwestern und Mitglieder aus Laiengemeinschaften sind mit Menschen zu Fragen rund um Glauben, Zweifel und der immer wiederkehrenden Frage ins Gespräch gekommen: Was tun?!

Unsere Ordensgemeinschaft vermittelt in Worten und Taten die Antwort des hl. Dominikus weiter: Kopf und Herzen frei machen für unseren lebendigen Gott – mit Jesus als Freund an unserer Seite. Das war und ist uns wichtig in allen Begegnungen und Kontexten, in denen wir tätig sind. Auch was angesichts von Krisen, Skandalen und Sicherheitsabständen verkümmert oder abgestorben scheint, kann wieder lebendig werden. Wir laden ein, das gemeinsam zu entdecken. Gerne mit Neugier.

Erzählt uns weiterhin, was Euch bewegt! Wir freuen uns auf Euch, sei es in unseren Gemeinden oder auch digital. Unsere Eindrücke und Begegnungen haben wir z.B. hier notiert:


Sonntag, 29. Mai 2022

Katholikentag? „Oui, bien sûr!“

Als Gast aus Frankreich hat Provinzial Nicolas Tixier OP unser Programm beim Kirchen-Event live mitgestaltet. Er nahm teil an unserem Podiumgespräch zum sel. Pierre Claverie OP, Dominikanerbischof in Algerien, und feierte unseren dt.-frz. Gottesdienst mit. Hier fasst er seine Eindrücke zusammen…


Samstag, 28. Mai 2022


Wir sind im Endspurt auf der Kirchenmeile des Katholikentages
und freuen uns sehr, dass unserer Fotoaktion so ein buntes Ergebnis gebracht hat: Wir waren gestartet mit der Einladung, uns Foto-Momente zu schicken, in denen man/frau auf dem Katholikentag Augenblicke entdeckt, wo Glauben lebendig wird – eine dominikanische Grundmotivation: Köpfe und Herzen frei zu machen für unseren lebendigen Gott. Mit Jesus als Freund an unserer Seite. Und tatsächlich: Aus dem schwarzen Trauerrand ist ein farbenfroher Lebensrahmen geworden! Hier unser Vorher-Nachher-Beweis.
Danke an alle Besucherinnen und Besucher, die mitgemacht haben, wir haben viele bunte Eindrücke bekommen und noch mehr gute Gespräche geführt.

See you!

Unsere schlichte dt.-frz. Messe heute hat uns bewegt in der Johanneskirche am Feuersee: Sowohl der Acapella-Gesang der dominikanischen Schola von Brüdern und Schwestern als auch die persönliche Predigt unseres Mitbruders Jean-Paul Vesco, Erzbischof von Algier. Er betrachtete noch einmal den sel. Pierre Claverie, diesmal gespiegelt im spirituellen Testament seines jungen algerischen Begleiters Mohamed Bouchikhi, ein Brief, der nicht so bekannt ist wie die Schriften Claveries es sind, wenngleich ebenfalls menschlich tief berührend. Merci pour le témoignage!

Zum Abschluss des Gottesdienstes dankte Peter Kreutzwald, Provinzial unserer Ordensprovinz, Erzbischof Vesco und Provinzial Nicolas Tixier aus Paris für ihr Kommen und ihre engagierte Teilnahme an unserem Programm auf dem Katholikentag.


Freitag, 27. Mai 2022

Mit dem Gruß unseres Novizenmeisters P. Laurentius Hoehn wünschen wir einen guten Start ins Wochenende.


Den feinen Duft unserer Nachbar:innen können wir nicht anhängen, aber wir senden dufte Grüße für Ihren/Euren #Brückentag🌿🌹🌱🥀#kt22


Premiere: Schwestern, Brüder und Laien gestalten gemeinsam einen Infostand
Erstmals gestalten Schwestern, Brüder und Laien des Predigerordens gemeinsam einen Infostand auf dem Katholikentag Auch hier Vielfalt in schwarz-weiß😎Inmitten von Gesprächen melden wir uns mit ein paar Impressionen. Hier Eindrücke von unserem Stand beim Katholikentag an der Stuttgarte Oper.


 

Donnerstag, 26. Mai 2022 (Christi Himmelfahrt)

Podiumsdiskussion zum christlich-islamischen Dialog
„Ich brauche die Wahrheit der Anderen!“ Interreligiöser Dialog auf den Spuren von Pierre Claverie

 

Impuls: Erzbischof Jean-Paul Vesco OP, Algier/Algerien
Weitere Podiumsteilnehmende:
Prof. Dr. Mouez Khalfaoui, Professur für Islamisches Recht, Tübingen
P. Nicolas Tixier OP, Provinzial der französischen Dominikaner, Paris/Frankreich
Dr. Katja Voges, missio Aachen 
Moderation: fr. Dr. Dennis Halft OP, Berlin

„Ich brauche die Wahrheit der Anderen“ – Dieses Bekenntnis des sel. Pierre Claverie OP (1938 – 1996) nahmen wir in unserem zweiten Podium als Orientierungspunkt auf dem Katholikentag. Der Dominikaner und Bischof in Algerien widmete sich dem interreligiösen Dialog mit Muslimen, klar, respektvoll und zugewandt. Er fiel vor 26 Jahren einem Bombenattentat zum Opfer. Wie kann christlich-muslimisches Miteinander im Sinne Claveries heute gelebt werden, fragte fr. Dr. @Dennis Halft OP als Moderator zu Beginn.

Dazu legte der französische Dominikaner Jean-Paul Vesco OP, Erzbischof von Algier, dar, warum er persönlich von Claverie fasziniert ist: Dieser nahm sich bei all seinen Ansprüchen an sich selbst zurück und begegnete Menschen – unabhängig von Konfession oder Stereotypen – in der Überzeugung, ein liebenswertes Geschöpf Gottes zu treffen.

Prof. Dr. Mouez Khalfaoui schaute kritisch auf eine Theoretisierung sowie Parzellierung des Gesprächs zwischen Christen und Muslimen, da er als Gelehrter für Islamisches Recht an der Universität Tübingen und auch als Familienvater beobachtet, dass ein Zusammenleben im Alltag die Frage nach dem Dialog der Religionen oft längst überholt hat.

Nicolas Tixier, Provinzial der französischen Ordensprovinz, die auch Algerien umfasst, sieht in Claverie heute ein „role model“, auch für Dominikaner weltweit: lernfähig zu bleiben, zuzuhören und immer wieder davon auszugehen, dass andere Überzeugungen das eigene Denken und Glauben bereichern.

Dr. Katja Voges brachte als Referentin für Menschenrechte und Religionsfreiheit bei @missio ihre Erfahrungen des christlichen Hilfswerks in Nordafrika mit ein. Sie beeindruckte, dass Claverie als gläubiger und gebildeter Mensch die strikten staatlichen Vorgaben für Christen in Algerien akzeptiert hatte und als Seelsorger, Christ und Dominikaner innerhalb dieser Einschränkungen wirkte. Sie appellierte abschließend, beim Thema Religionsfreiheit nicht einzig zu schauen, worin systematische Repressalien bestehen, sondern auch darauf zu achten, wo Menschen einander im Alltag die Möglichkeiten nehmen, Toleranz und Verständnis füreinander zu entwickeln, sei es in Kindergärten oder Schulen.


Mystik und Politik
So engagiert wie umstritten: Ordensleute gewähren Kirchenasyl

Podium des Institut Chenu zum Kirchenasyl


Unsere Stimmen zu gesellschaftlichen und politischen Reibungspunkten bringen wir Dominikaner gleichermaßen wie Glaubensfragen, Begegnung und Seelsorge auf den Katholikentag. So gab das Podium „Mystik und Politik“ Ordenschristen das Wort, die sich für Flüchtende und Geflüchtete einsetzen:
P. Thomas Eggensperger OP diskutierte mit Äbtissin Mechthild Thürmer OSB (Abtei Kirchschletten), Sr. Dr. Katharina Ganz (Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen) und Br. Dieter Müller SJ (Jesuiten-Flüchtlingsdienst), wo und wie sie sich engagieren.
So berichtete Sr. Katharina, dass sie sich mit ihrer gesamten Kongregation einer Bleiberechtspetition an die Innenministerkonferenz angeschlossen hat. Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen fordern sie von Bund und Ländern ein Bleiberecht für Geflüchtete. „Mystik und Politik lassen sich nicht trennen.“ Sie unterstützte die Perspektive von Br. Dieter, der zuvor die Menschwerdung Gottes als Auftrag des Evangeliums an Christen insgesamt und als zentrale Motivation für seinen persönlichen Einsatz formuliert hatte.
Äbtissin Mechthild, die dreimal wegen der Gewährung von Kirchenasyl angeklagt worden ist, droht mittlerweile eine empfindliche Freiheitsstrafe. Doch sie erfahre auch eine weltweite Solidarität, sagt sie, z. B. vom Vatikan oder von Klöstern in den USA und Australien: „Ein kontemplatives Leben, das sich nicht die Hände schmutzig macht, ist kein christliches Leben.“
Sr. Katharina schaute zurück und nach vorne, als sie nach Fragen aus dem Publikum zusammenfasste: „Angela Merkel hatte recht, als sie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise sagte `Wir schaffen das´ Entscheidend ist doch: WOLLEN wir Menschen helfen?!
Die Ordensleute betonten, dass sie nicht alleine sind in ihrem Engagement, dass sie unterstützt werden von Bischöfen und anderen Orden, von ökumenischen Partnerinnen und auch von Nachbarinnen. Vor allem seien aber die Schwestern und Brüder der jeweiligen Gemeinschaft wichtig, denn sie unterstützten z.B. das Kirchenasyl mit kleinen Diensten, mit Gebet und Solidarität. Toll sei umgekehrt, dass die jeweilige Gemeinschaft angesichts der Geflüchteten im Haus etwas Neues über sich selbst und die eigene Spiritualität erfahre. Institut Marie-Dominique Chenu Berlin; Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland; Mechthild Thürmer Osb Kloster Oberzell

 

Podiumsteilnehmer:
Sr. Dr. Katharina Ganz OSF, Generaloberin, Zell/Main
P. Dieter Müller SJ, Jesuiten-Flüchtlingsdienst, Nürnberg
Ursula Gräfin Praschma, Vizepräsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg
Äbtissin Mechthild Thürmer OSB, Benediktinerinnenabtei Maria Frieden, Zapfendorf 
Moderation: P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, Berlin
Anwalt des Publikums: P. Felix Geyer ISch, Berlin
Musik: Albert Frey, Forchtenberg



Mittwoch, 25. Mai 2022

Start des Katholikentages
Gleich geht’s los: Der Katholikentag startet mit der Eröffnungs-Feier. An unserem Infostand vor der Oper haben wir beim Aufbauen beobachtet, wie die Wiese sich füllt mit Menschen, die das schöne Wetter genießen und sich freuen, einander (wieder) zu treffen. Nun kreisen die Helis mit den Ehrengästen…wir sind auch gleich da! Morgen mehr Eindrücke, auch von unserem Programm, wie Dominikaner:innen „leben teilen“. Guten Abend aus Stuttgart! #kt22 #dominikanisch