Dominikanische Stimmen aus der Ukraine – Woche 4

Wir verstärken hier die Stimmen unserer Mitbrüder aus dem ukrainischen Kriegsgebiet auf Deutsch. Sie engagieren sich mit allen Kräften in Worten, Taten und Gebeten vor Ort für Menschen, die Hilfe brauchen. Wenn Sie unsere dominikanische Familie in der Ukraine unterstützen wollen, empfehlen wir, dies über ihre Aktionswebseite hilfeukraine.dominikanie.pl umzusetzen. Dort haben die ukrainischen Dominikaner mit ihren polnischen Mitbrüdern Infos und direkte Wege aufgeführt: Was wird dringend gebraucht? Wo helfen die Dominikaner im Kriegsgebiet? Wie kommen die Sachen zu den Menschen? Will ich Gelder spenden oder direkt konkrete Lebensmitteleinheiten? Herzlichen Dank an alle Unterstützenden!

In seinem Videoformat „Briefe aus der Ukraine“trägt unser Noviziat (->Link zum Youtube-Kanal)die Briefe unten übrigens gesprochen vor für alle, bei denen der Weg zum Herzen über die Ohren führt.


Fastiw, 19. März 2022, 17:30 Uhr

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

nach einer mehr als einstündigen Fahrt von Kiew kam ich mit Pater Tomasz in Fastiw an. Für mich es ist immer eine Freude, diesen Ort wie auch die Brüder und Schwestern, die dort Dienst tun, zu besuchen. Bevor ich am Morgen abreiste, traf ich eine Person, der es vor einigen Tagen gelungen war, sich mit ihrer Familie aus einer der von Russen zerstörten Städte in die Nähe von Kiew zu evakuieren. Diese Frau beschloss zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer älteren Mutter, in Kiew zu bleiben, obwohl ihre Freunde aus Polen ihnen dringend nahelegten, die Stadt zu verlassen. Sie wollen nicht mehr weglaufen. Sie lieben diese Stadt und die Ukraine. Ich verstehe sie. Sie brauchen jetzt Unterstützung, weil sie nichts mitgenommen haben, wie so viele Flüchtlinge aus den zerstörten Städten und Dörfern der Ukraine.

Auf dem Weg nach Fastiw machten wir eine Zwischenstation im Haus der Missionarinnen der Nächstenliebe von der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta, um dort eine Messe zu feiern. Die Schwestern in Kiew versorgen die Armen und bieten mehreren Dutzend Obdachlosen Unterkunft. Seit Beginn des Krieges leben sie im Keller des Klosters. In einem kleinen Raum haben sie eine Kapelle eingerichtet. Eine der Schwestern schläft dort auch nachts. Mit einem Lächeln erklärte sie mir, dass sie klein ist, also überall hineinpasst. Die Oberin des Klosters ist eine Polin, die anderen Ordensschwestern kommen aus Indien und Litauen. Außergewöhnliche Frauen.

Jemand hat mich kürzlich gefragt, was mit unserem Ordenskandidaten los ist. In der Tat habe ich schon viel über Kiew und Fastiw geschrieben, Nikita aus Charkiw jedoch länger nicht mehr erwähnt.

Als die Situation in der Stadt immer tragischer wurde, die Wohnsiedlung bombardiert wurde und seine Familie jede Nacht in der U-Bahnstation schlafen musste, verließen Nikita und seine Eltern Charkiw. Auf einem umständlichen aber sicheren Weg erreichten sie Chmelnyzkyj, eine Stadt im Westen der Ukraine, die mehr als 800 km von Charkiw entfernt liegt. Dort ist die Lage sicherer, auch wenn – wie im größten Teil des ukrainischen Territoriums – das Heulen der Sirenen und der tägliche Flugabwehralarm zu hören sind. Anders als Charkiw, Kiew oder Fastiw wurde diese Stadt jedoch nicht bombardiert oder beschossen.

Kyrill, ein weiterer mit den Dominikanern verbundene Student aus Charkiw, ist ebenfalls in Chmelnyzkyj angekommen. Gestern war sein Namenstag. Als ich ihn anrief, war er gut gelaunt und sagte voller Dankbarkeit, dass er die Möglichkeit, zusammen mit den Brüdern Jakub und Wlodzimierz in unserem Kloster zu leben, sehr zu schätzen weiß. Die tägliche Eucharistie und das Gebet sowie die Gemeinschaft mit den Dominikanern während des Krieges sind für ihn wichtig. Als ich im Stundenbuch einen Abschnitt aus der Katechese des hl. Kyrill von Jerusalem, seinem Namenspatron, las, dachte ich speziell an ihn: „Schmückt euch nicht mit glänzenden Gewändern, sondern mit der Frömmigkeit einer Seele, die ein reines Gewissen hat“.

Wir mussten während unseres Telefonats schmunzeln, da ich in einem meiner ersten Briefe seinen Mut erwähnt hatte, in unserem Kloster in Charkiw zu bleiben: „Sie haben mich und meinen Mut in Ihrem Brief erwähnt und am nächsten Tag verließ ich die Stadt“. Das hat er gut gemacht. Mut und Heldentum bestehen nicht darin, von russischen Bomben getötet zu werden. Mut bedeutet vielmehr, die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit zu treffen.

Bleiben oder gehen? Dies ist heute ein großes Dilemma für viele Bewohner der vom Krieg heimgesuchten Gebiete. Einige retten ihr Leben, indem sie an sicherere Orte fliehen. Andere wollen durch ihr Bleiben das retten, was ihr Leben ausmacht, wo sie sind. Ich verstehe beides.

Die Universität in Charkiw, an der Kyrill studiert, hat wieder geöffnet, und die Vorlesungen und Seminaren finden online statt.

Anton, der zu Beginn des Krieges in unserem Kiewer Kloster lebte, hat mir davon erzählt. Er ist Dozent an einer der Kiewer Hochschulen. Er räumte ein, dass nicht alle Studenten bei den Vorlesungen anwesend sind, aber es gelingt immer zumindest einigen, mit dem Dozenten in Kontakt zu treten. Unsere beiden Brüder namens Piotr im Kiewer Kloster unterrichten ebenfalls und führen die Kurse für griechisch-katholische Seminaristen fort. Die Seminaristen haben sich aus Sicherheitsgründen an verschiedene Orte zerstreut, aber die Veranstaltungen finden online statt. Es funktioniert, auch wenn die Vorlesungen etwas verkürzt werden, da viele von den Seminaristen als Freiwillige den Bedürftigen helfen. Das von den Dominikanern geführte Institut St. Thomas von Aquin arbeitet derzeit ebenfalls auf vergleichbaren Abläufen.

Der Krieg dauert nun schon mehr als drei Wochen, und nach den ersten Tagen, die von riesigem Schock, Stress und Panik geprägt waren, beginnen wir alle, uns an die neue Realität zu gewöhnen. Diejenigen, die dazu in der Lage sind, kehren an ihren Arbeitsplatz zurück – einige arbeiten online, und diejenigen, die das Glück haben, dass ihre Arbeitsplätze nicht zerstört wurden, werden von den Behörden ermutigt, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Das ist natürlich nicht einfach. Viele Menschen sind weggezogen, sodass es an Arbeitskräften mangelt, was die Unternehmen manchmal daran hindert, zu funktionieren.

Auch die Versorgung ist ein großes Problem, ebenso wie eine scheinbar so einfache Angelegenheit wie der Weg zur Arbeit. Kiew ist eine große Metropole. Wenn jemand weit weg wohnt und kein eigenes Auto hat, ist es für ihn schwierig, zur Arbeit zu kommen. Deshalb sieht man trotz der immer noch kalten Wintertemperaturen viele Menschen auf den Straßen, die mit ihren Fahrrädern, Motorrollern und Motorrädern unterwegs sind. Gestern bewunderte ich einen Studenten, der mit einem Roller fuhr – mit einem großen Musikinstrument im Koffer. Er fuhr ziemlich schnell und wich geschickt den Schlaglöchern auf der Straße aus.

Ich gewöhne mich mehr und mehr an diese Kriegssituation. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, aber ich denke, es gibt keinen anderen Weg. Denn Alarme sind Alarme, Explosionen sind Explosionen, aber man muss irgendwie leben. Natürlich ist dies ein Zustand, der durch eine militärische Eskalation oder eine verirrte Rakete, die irgendwo in der Nähe einschlägt, schnell kaputt gemacht werden kann. In den letzten drei Tagen habe ich bereits mehrere solche Orte in der Gegend gesehen, die von morgendlichen „beflügelten Gästen“ aus dem Osten zerstört wurden. Normalerweise kommen sie morgens zwischen 5 und 6 Uhr. Praktisch jeden Tag wache ich auf und höre eine Explosion, mal weiter weg, mal näher. Manchmal fühle ich mich wie am Set eines Films, aber leider ist es sehr real und sehr nah.

Kürzlich erreichte mich über jemanden in Polen ein bewegendes Zeugnis aus Weißrussland. Wir wissen sehr wohl, wie die Situation dort ist. Weißrussland ist in einen Krieg verwickelt, und obwohl sich die weißrussische Armee vorerst nicht aktiv an den Angriffen auf die Ukraine beteiligt, fliegen tödliche Raketen und starten Flugzeuge aus diesem Land. Hier sind die aufgezeichneten Auszüge aus dem Geständnis dieser Person: „Es ist unmöglich, all den Schmerz und die Hilflosigkeit in Worte zu fassen, die wir wegen des Krieges in der Ukraine empfinden. Dieser Schmerz ist umso größer, als unser Land in diesen Krieg hineingezogen wurde. Wir machen uns unendlich viele Sorgen um euch und beten, dass endlich Frieden einkehrt. Wenn dieses östliche Ungeheuer nicht fällt, warten vielleicht noch schlimmere Zeiten auf Weißrussland, die zu einem endgültigen Verlust des Selbstbewusstseins führen. Der Kampf der Ukrainer gibt uns Hoffnung, dass das Gute das Böse besiegen wird. Wir bewundern den Heldenmut und die brüderliche Einigkeit Ihres Volkes und glauben, dass Gott es dafür belohnen wird. Man möchte schreien: Herr Gott, warum so lange, wie viele Menschen müssen noch sterben! Aber die Werke Gottes sind unbegreiflich. Wir wünschen Ihrem Volk noch mehr Kraft im Geiste, wir beten Tag und Nacht für den Sieg der Ukraine (einige beten auch die Pompejische Rosenkranznovene). Ich hoffe, dass ich eines Tages aus einem freien Weißrussland in eine freie Ukraine kommen kann“. Nach dem Zeugnis aus Russland, das ich kürzlich zitiert habe, ist dies eine weitere Stimme eines gläubigen Menschen, der unter dem Krieg leidet. Ich danke Ihnen für diese Worte. Ich vertraue darauf, dass es in Weißrussland und Russland keinen Mangel an gerechten Menschen geben wird.

Mit herzlichen Grüßen und einer Bitte um Gebet,

Jaroslaw Krawiec OP


Kiew, 15. März 2022, 20:50 Uhr

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

die letzten Tage in Kiew sind unruhig geworden. Das Heulen von Sirenen, die vor der Gefahr eines Luftangriffs warnen, ist häufiger zu hören. Ich habe den Eindruck, dass am Rande der Stadt noch weitere Kampfgeräusche zu hören sind, verschiedene Explosionen, das Rumpeln von herumfliegenden Dingen. Und dabei im Kontrast der blaue Himmel über Kiew heute absolut klar und voller Sonnenschein. Diese Geräusche verursachen Angst. Die Menschen bleiben stehen, schauen sich um und hören zu, ob es nun in unserer Nähe ist oder woanders. Wahrscheinlich haben wir uns alle an diese ominöse Kriegssymphonie gewöhnt.

An diesem frühen Morgen wurden wir im Kloster durch laute Explosionen geweckt. Diejenigen, die im Keller schliefen, sagten, dass sie das Beben der Fundamente spüren konnten. Es stellte sich heraus, dass Gebäude neben der U-Bahnstation, die uns am nächsten ist, von russischen Raketen getroffen worden waren. Nach dem Frühstück ging ich nachsehen, was passiert war. Es waren nur 10 Minuten Fußweg entfernt. Ich konnte mit eigenen Augen sehen, wie zerstörerisch diese Waffen sind. Die Rakete schlug auf dem Dach eines Gebäudes ein, aber innerhalb einiger hundert Meter waren fast alle Fenster zertrümmert und das Gebäude über der U-Bahnstation wurde zerstört. Die Menschen, die auf den Bahnsteigen tief unter der Erde übernachteten, wurden jedoch nicht verletzt. Selbst scheinbar sichere Bereiche, die durch andere Gebäude vom Epizentrum der Explosion abgeschirmt waren, wurden beschädigt. Neben der Polizei und einigen einheimischen Schaulustigen – wie auch ich – waren zahlreiche internationale Journalisten anwesend, die mit kugelsicheren Westen mit der Aufschrift „Presse“ und Helmen auf dem Kopf ausgestattet waren. Echte Kriegsberichterstatter.

Sie haben gearbeitet, und ich habe mir Orte angesehen, die ich sehr gut kenne. Glücklicherweise fand der Angriff gegen 5 Uhr morgens statt, als wegen der Ausgangssperre noch keine Menschen auf der Straße waren.

Als ich Pater Mischa anrief, sagte er, dass, wenn – Gott bewahre – so etwas in der Nähe unserer Kirche in Fastiw passieren würde, von dem Kloster, das eine umgebaute Baracke ist, nichts übrigbleiben würde. Mit eigenen Augen die zerstörerische Kraft des Krieges zu sehen, lehrt Demut und ermutigt dazu, den Rat der Behörden, sich während der angekündigten Alarme an sicheren Orten zu verstecken, nicht zu missachten.

Viele von uns haben die vergangenen Tage damit verbracht, ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Gemeinsam mit den Menschen, die unter dem Dach des Kiewer Klosters leben, besorgen wir Lebensmittel und andere lebensnotwendige Dinge und verteilen sie an Bedürftige. Vor allem an ältere Menschen, Kranke und Mütter mit Kindern. Am Nachmittag brachte ich einen Teil der Sachen in die Nähe des Bahnhofs, zu dem Ort, an dem die Busse aus den zerstörten Städten rund um Kiew ankommen, welche die evakuierten Menschen in die Stadt bringen. Als ich Pater Oleksandr heute mit dem Auto an der Kathedrale abholte, damit er in einen mit Bekleidung beladenen Bus umsteigen und sie zum Freiwilligenzentrum bringen konnte, hörte ich ihn sagen, dass diese Zeit ein großer Segen für uns ist. Ich stimme mit ihm überein. Bislang haben wir, wie viele meiner Schwestern und Brüder, nicht bereut, hier und jetzt in Kiew, Fastiw und an anderen Orten in der Ukraine zu sein. Natürlich machen wir uns Sorgen, wir haben Mitgefühl mit denen, die leiden, wir ärgern uns über die Bosheit des Feindes, wir können nicht schlafen und essen manchmal vor Nervosität, aber wir sehen, dass dies ein großes Geschenk und ein Segen für uns ist.

Vor einiger Zeit rief ich Schwester Damiana, eine Dominikanerin aus Fastiw, an und fragte sie: „Bereust Du es, jetzt hier zu sein?“ Ohne einen Moment zu zögern, antwortete sie: „Nein! Ich wusste von Anfang an, dass dies mein Platz ist und dass ich hierher bestimmt bin.“ Das tat auch Schwester Augustina. Als der Krieg ausbrach, machte sie gerade in Polen Urlaub. Bei der ersten Gelegenheit stieg sie in einen Hilfstransport und kehrte nach Fastiw zurück. Frater Igor, ein gebürtiger Donezker, über den ich bereits geschrieben habe, bat mich und den Provinzial, ihn so schnell wie möglich in das Vikariat der Ukraine versetzen zu lassen. Er kam inzwischen samt kleinem Rucksack mit dem Zug von Krakau in Fastiw an. „Ich habe nicht einmal meinen Computer mitgebracht“, sagte er mir vor zwei Tagen, „ich wusste, dass es im Kloster einen geben würde. Ich schaue auf die Mädchen und Jungen, die unter dem Dach unseres Klosters in Kiew leben, auf die Freiwilligen und Mitarbeiter des Hauses St. Martin de Porres in Fastiw. Sie wissen, warum und für wen sie hier sind.

Gestern Abend habe ich ein kleines Buch von Pater Innocent Maria Bocheński OP „De Virtute Militari“ in die Hand genommen, „Grundzüge der Militärethik“, geschrieben am Vorabend des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs. Beim Lesen hielt ich bei dieser Stelle inne: „Die Nächstenliebe ist eine Fähigkeit, die nicht durch bloße Übung erworben werden kann, sondern die wir von Gott mit Gnade empfangen. Dabei handelt Gott in der Regel so, dass er gleichzeitig mit unseren Handlungen die Liebe vermehrt: Wer im Einklang mit der Liebe handelt, kann sicher sein, dass Gott seine Liebe vermehrt.“ Dies ist in der Tat der Fall. Wenn Du auch nur ein bisschen Liebe in Dir hast und nach der Liebe handelst, kannst Du sicher sein, dass Gott sie in Dir vermehren wird.

Ich hoffe, dass viele der Leser meiner Briefe, die den ukrainischen Schwestern und Brüdern so großzügig helfen, dies auch erleben. Ich bin gerührt von dem großen Herzen der Brüder Jonathan und Patrick, Dominikaner aus der Provinz St. Joseph in den USA, die nach Polen geflogen sind und seit mehreren Tagen an der polnisch-ukrainischen Grenze zusammen mit der humanitären Mission der Kolumbusritter Flüchtlingen helfen. Wir haben uns noch nicht getroffen und ich weiß nicht, ob wir das in naher Zukunft tun werden, aber die Brüder aus Lwiw erwähnten, dass die amerikanischen Dominikaner einen Besuch bei ihnen planten. Sie versprachen, viele Rosenkränze zu liefern.

Pater Tomasz erzählte mir, dass in Lwiw einige Leute, die vor dem Krieg fliehende Landsleute aufgenommen hatten, ihnen nicht nur Essen und Unterkunft gaben, sondern sie auch beten lehrten. Rosenkränze sind sehr nützlich. Wenn ich bei einer Kontrolle auf den Straßen von Kiew von der Armee oder der Polizei gefragt werde, ob ich Waffen bei mir trage, antworte ich mit einem Lächeln, dass dies nicht der Fall ist, obwohl ich sagen könnte, dass meine Waffe der Rosenkranz ist, den ich nun regulär an meiner Hand trage. Ich sage das nicht laut, um unsere tapferen Jungs nicht zu verärgern, die dort nicht zum Spaß stehen.

Heute, als ich einkaufen ging, war ich bei der ersten Morgenkontrolle überrascht, weil der Herr mit dem Gewehr nicht wie üblich zu mir sagte: „Dokumente bitte!“, sondern fragte: „Wie geht`s?“. Das war schön und normal.

Die Ausgangssperre hat begonnen. Diesmal wird sie länger dauern, sie endet erst am Donnerstagmorgen. Wir werden also den morgigen Tag sowohl in Kiew als auch in Fastiw innerhalb der Klostermauern verbringen. Vielleicht können wir unsere vielen Emails beantworten. Hoffen wir, dass keine Raketen oder Bomben den Tag verderben werden!

Mit herzlichen Grüßen und einer Bitte um Gebet,

Jaroslaw Krawiec OP


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