Direkt und persönlich vom „Synodalen Weg“

Frater Simon Hacker OP lebt und arbeitet regulär im dominikanischen Studentat in Wien und ist gerade dominikanischer Delegierter beim Synodalen Weg als einer von zehn Ordenschrist:innen. Zu den aktuellen Debatten dort bezieht er klar Stellung:

Donnerstag, 10.02.2022

Verstehen

Auch dieses Foto ist auf der letzten Synodalversammlung in Frankfurt entstanden. Der Mann neben mir ist Matthias Heinrich, der Weihbischof in Berlin, also meine kirchliche „Heimat“. Zwar saßen wir diesmal weit auseinander, vor einem halben Jahr aber waren wir Tischnachbarn. Diesmal haben wir uns eher durch Zufall auf dem Weg in die Aula getroffen und uns nebenbei etwas ausgetauscht. Es sind die kleinen Begegnungen wie diese, auch kurze Gespräche auf dem Weg, die essentieller Teil des synodalen Dialogs sind. Fragen werden formuliert, Eindrücke wiedergeben, kleine Argumente ausgetauscht. Es muss nicht immer die große Debatte und der argumentative Schlagabtausch sein. Es sind manchmal die eher unscheinbaren Begegnungen, die Sichtweisen verändern, Horizonte vergrößern und echtes Verstehen anstoßen.

Echtes Verstehen. Das ist viel mehr als das Abwiegen von Argumenten und das Ausbalancieren von Interessen. Für echtes Verstehen ist Begegnung auf Augenhöhe nötig, Empathie und der Versuch, das Argument des Anderen zu retten, gerade auch wenn es meiner Meinung widerspricht. Verstehen heißt, die Fragen hinter den Fragen hören, die Hoffnung und Sorge hinter einem Standpunkt erkennen – und es ernst nehmen.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass wir nicht nur reden, sondern auch geistlich verstehen lernen, miteinander wachsen. Dafür bin ich dankbar.

Foto: Synodaler Weg / Maximilian von Lachner

Montag, 07. Februar 2022

Schatten und Licht

Ich werde immer wieder gefragt, warum ich beim Synodalen Weg mitgehe, was ich mir davon erhoffe. Die einfache Antwort ist: Ich will mithelfen, dass unsere Kirche ein Ort wird, wo Gewalt und Vertuschung nicht mehr möglich sind. Ob das realistisch ist, könnte darauf gefragt werden, ob ich wirklich glaube, dass wir was verändern können. Ich weiß es nicht. Ehrlich. Ich weiß nur, dass diese Institution so viel Unheil angerichtet und zugelassen hat, dass es nach wie vor viele gefährliche Räume gibt, dass wir nicht einfach nichts tun können. Das System hat Macken, es ist krank. Und darum muss auch die Therapie systemisch sein.

Wir versuchen also, die Institution in ihren Strukturen und ihrer Theologie zu verändern, sie zu humanisieren, sie zu evangelisieren – ‚Menschen vor Macht‘ heißt die Maxime. Das ist schwer, das ist kompliziert, es gibt Widerstand und Probleme. Aber es gibt auch Licht, es gibt Hoffnung. In den nächsten Tagen werde ich hier immer mal wieder von Hoffnungen und Lichtblicken auf dem Synodalen Weg erzählen. Und davon, wie uns die Weggemeinschaft und dieser ‚Gott-mit-uns‘ jetzt schon verändert hat.

Foto: Synodaler Weg / Maximilian von Lachner